Seit nun zweieinhalb Jahren lasse ich das, was ich in meinem Winamp am PC höre als Charts auswerten. Diese wirklich wunderbare Dienstleistung übernimmt last.fm für mich. Auswertbar sind die Charts nach verschiedenen Rastern. Zeitlich (wöchentlich, vierteljährlich, jährlich etc.) oder nach Songs, Alben oder Künstlern.
Die Ergebnisse sind zugegebenermaßen auch für mich auf den ersten Blick etwas überraschend, dann aber auch wieder logisch. Denn diese Charts kann man nicht unbedingt als meinen allgemeingültigen Musikgeschmack bezeichnen, dazu sind meine Hörgewohnheiten einfach zu unterschiedlich. Am PC dominiert offensichtlich eher meine ruhige Seite, jedenfalls lassen die Charts diesen Eindruck zu. Anders siehts auf meinem MP3-Player aus, den ich vor allem beim Sport und Unterwegs in Betrieb habe. Da ist wesentlich mehr Wumms drauf, wohl als Antriebshilfe.
An dieser Stelle will ich versuchen zu erklären, warum die Songs dort gelandet sind, wo sie stehen. Eine Verteidigung ganz eigener Art.
10. Lene Marlin – Another day
Lene Marlin ist für mich die Definition des angenehmen Pops. Ihre Songs sind musikalisch sehr zugänglich, aber nicht poppig zugekleistert. Die Texte sind catchy, aber nicht platt. Eher alles andere als das, wenn man sich mal die Zeit nimmt sich damit zu beschäftigen, findet man hochpersönliche Lyrik.
„Another day“ hat es auf Platz 10 in einer anderen Version in die Charts geschafft, als wie unten verlinkt ist. Unten ist das Original zu sehen. Ich hingegen habe die Akustikversion gehört, die dem Song eine wunderschöne Zerbrechlichkeit verleiht, ihn damit besonders macht. Ein Song zum Nachdenken.
(Aus dem Album „Another Day“ )
9. Social Distortion – Diamond in the rough
Viele Worte über Social Distortion zu verlieren ist ziemlicher Unsinn. Kaum eine Band ist für ihre Fans so individuell wichtig. Und so schwer erklärbar.
„Diamond in the rough“ ist ein unveröffentlicher Song, der es hoffentlich irgendwie und irgendwann doch mal auf eine offizielle Platte schaffen wird. Sinn und Bedeutung des Textes erklärt Mike selbst im Vorlauf des Songs. Mehr brauch man dazu nicht zu sagen. Ich hab mich drin wiedergefunden.
(unveröffentlicht)
8. Five for fighting – One more for love
“One more for love” ist vielleicht der Song in meinen Charts, der mich am meisten überrascht hat. Würde man mich direkt nach meinen Top-10 fragen, er würde mir wohl eher nicht einfallen. Warum also ist er doch drin? Eigentlich einfach Antwort: Er ist schön. Klasse Melodie, schöne Stimme. Verändert nicht die Welt.
(Aus dem Album „The battle for everything“)
7. Lene Marlin – The way we are
Song Nr. 2 von Lene, anderes Album – selbes Prinzip. Auch hier ists die Akustikversion, die mich gepackt hat. Aber anders als bei „Another day“ gibt’s hier das passende Video.
(Aus dem Album „Playing my game“)
6. Ignite – Fear is our tradition
Mehr als nur eine einfache Hardcoreband. Way of life, Identifikation, Attitüde. Hier kommt vieles zusammen, das für mich Bedeutung hat. Mehr als schlüssig, das die Band in den Top 10 auftaucht. Noch dazu mit diesem Kracher.
„Seek the truth
Or pay the price
Turn off the box
Think for yourself
Hang from your mind
Within your cell
Remember what it’s like to care
Bring about change“
Und als Video eine Liveversion vom Frankfurt-Gig 2007. Irgendwo da unten wusel ich rum.
(Aus dem Album „Our darkest days“)
5. Social Distortion – Footprints on my ceiling
Ein Song vom Über-Album “Sex, Love&Rock´n Roll“. Man muß es kennen. Falls nicht – ab in den Laden und kaufen.
„Footprints on my ceiling“ ist Rock´n Roll-Romantik pur. So soll es sein.
“Even tough guys fall in love…”
(Aus dem Album „Sex, Love & Rock´n Roll“)
4. Joshua Radin – Closer
Ein Künstler, den ich durch Scrubs kennengelernt habe, in der einer seiner Songs die vielleicht stärkste Szene der Serie untermalt. Wunderschöner reduzierter Songwriterpop, nie mehr als Gitarre und vielleicht mal ein paar Streicher, nicht zu süßlich, aber auch nicht intellektuell-überdreht. Unglaublich schöne, gedankenreiche Texte mit beeindruckender Stimme.
„Closer“ hätte ich nicht unbedingt ganz vorne erwartet, es gibt andere Songs die mir eher in den Sinn kommen würden. Nichts desto trotz ist er schon repräsentativ.
„So, we’re alone again
i wish it were over
we seem to never end
only get closer
to the point where i can take no more“
(Aus dem Album „We were here“)
3. Kettcar – Nacht
Kettcar hört man als Kerl eigentlich nur, um eine Germanistik-Studentin flach zu legen. Oder weil man so open-minded ist, das man sich nen Finger in den Popo schiebt, einfach um die Erfahrung mal gemacht zu haben. Die Band ist eigentlich ein Skandal, das sie existiert. Aber irgendwann stellte sich Sänger Marcus Wiebusch die Frage, wie er viele Frauen und viel Geld bekommen könnte. Bis dato hatte er in großartigen Bands wie „But Alive…“ und „Rantanplan“ gespielt, die großartige Musik machten, aber irgendwie keine hübschen Mädels anzogen und kein Geld einspielten. Tja, dann mal ein Blick zu den magersüchtigen Scheitelträgern von „Tocotronic“ geworfen und schwupps waren Kettcar geboren.
Wie kommt dann „Nacht“ so weit nach vorne? Wie jedes blinde Huhn hat auch „Kettcar“ einmal ein Korn gepickt.
„Und alles, was ich brauche heut`nacht,
eigentlich nicht viel,
nur einen Platz, von dem aus ich,
deinen Schlaf beobachten kann.
Das ist eigentlich nicht viel.“
Fits for me.
(Aus dem Album „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“)
2. Lene Marlin – Flown away
Song Nr. 3 von Lene. Auch hier nix neues auf der Begründungsseite. Warum der Song weiter vorne ist, als die anderen? Was weiß ich. Ich mag ihn. Das reicht völlig. Wer es nachvollziehen will, muss das selbst tun.
(Aus dem Album „Playing my game“)
1. Social Distortion – Don´t take me for granted
Über die Nr. 1 habe ich mich schon geäußert. Das er hier steht, ist mehr als logisch für mich.
