Es gibt Songs, die sind Lieblingssongs. Die hört man immer wieder gerne, die erinnern einen an jemanden, erinnern einen an vergangene Zeit. Sind assoziiert. Manchmal isses die Musik die einen packt(e), manchmal war es der Text, der so schön war und in guten Fällen auch beides. Man benutzt diese Songs wie eine Droge, immer mal wieder ein Schuß. Für die gute Laune. Für die Freude. Für die Erinnerung.
Es gibt aber auch Songs, die anders sind. Lebenssongs. Wo alles stimmt. Die aus Worten und Noten ein etwas zusammensetzen, in dem man sich wieder findet. In dem man ist.
Für mich ist dieser Song der totalen Identifikation „Don´t take me for granted“ von Social Distortion. Ich verbinde mit ihm nicht nur eine schöne Melodie, einen tollen Refrain. Es ist mehr als das. Für mich ist der Song die textliche und musikalische Umsetzung alles dessen was ich für mein Wesen, meine Ideale und mein Leben halte. Eine sehr subjektive Sichtweise, irrational und nicht einfach nach zu vollziehen, ich weiß. Aber so ists nun mal. So ist Liebe halt.
Freundschaft, Hingabe, Liebe,Hoffnung – aber eben auch das Versprechen, dass nichts sicher ist. Das alles bald und unvorbereitet vorbei sein kann. Das man drum kämpfen muss, weil nichts garantiert ist, nichts für immer sicher ist. Rock´n Roll-Romantik.
„I’m your worn in leather jacket
I’m the volume in your fucked up teenage band
A bag of smokes and a six pack
I’m the dreams you had walkin’ down the railroad tracks
You and me”
Kippen, ein Sixpack und mit dem besten Kumpel an den Schienen entlang in den Sonnenuntergang. Wunderschöner Rock´n Roll-Kitsch.
„I’m your first taste of romance
I’m your first broken heart on a Saturday night
Guys like us ain’t got no chance
But I’m the thing that keeps you and me alive
But not forever“
Leben ohne an morgen zu denken. Keine Sorge – keine Konsequenz. Der Traum, der einen weitertreibt. Der jederzeit vorbei sein kann.
“I’m with you when you’re born
You can take me when you die
With all the reasons why
But don’t take me for granted”
Selten etwas schöneres gehört.
Als Mike Ness diesen Song schrieb, hat ihn die Muse nicht nur geküsst. Sie hat ihm ordentlich einen geblasen guten Kaffee gekocht. Wer fähig ist, ein solches Stück Einzigartigkeit zu schreiben, hat ist näher an Gott als der Papst. Hier hat Gott die Feder geführt. Der Song ist der einzige Gottesbeweis, den ich akzeptiere.
Es ist nicht einfach, Gefühle in Worte zu packen. Aber in diesem Text steckt so viel dessen, was für mich wichtig ist. Sinn ergibt. Kraft gibt. Identifikation gibt. Und doch habe ich es nicht selbst geschrieben. Für mich sind dies die Unterschiede zu einem „gewöhnlichen“ Lieblingslied, von denen auch ich viele habe. Es ist vielleicht ein Ding der Unmöglichkeit, den Song so zu verstehen und zu fühlen, wie ich es tue.
Tausende sind in den letzten Jahrzehnten zu „My way“ in der Erde verbuddelt worden. Wenn ich in den Kreislauf der Natur zurückkehre, wird „Don ´take me for granted“ laufen. Welch besseren Beweis dafür gibt es…?
